14
Feb

Das Gegenteil von gut, ist scheinbar gut gemeint – Valentinstag

Valentinstag – eine Erfindung der Industrie oder des Psychiaters, um uns Männer wahlweise in den finanziellen Ruin, den seelischen Abgrund oder beides zu treiben? – Ich gehe stark davon aus.
Seit nun mehr 13 Jahren muss auch ich am Valentinstag liefern, sagen wir lieber: „Seit 13 Jahren hätte ich liefern sollen!“ Um nicht die gleichen Erfahrungen zu machen wie Werder Bremen bei Bayern München, ging ich jeweils frühzeitig in die Vorbereitungen: Es durfte auf gar keinen Fall der langweilige Strauß roter Rosen werden.
Hoch motiviert ging ich das Projekt an: Im ersten Jahr gab es ein Kuscheltier und tolle Herzform für das Spiegelei. Beides völlig unpraktisch. Im zweiten Jahr gab es einen kuscheligen Pullover. Natürlich die falsche Farbe. Im dritten Jahr kaufte ich – zumindest für meine Augen – originelle Ohrringe. Ich könnte man schauen, ob diese immer noch jungfräulich im Schmuckkästchen liegen. Dann kochte ich zu romantischer Musik im Kerzenschein. Leider zu lange auf dem Grill gelassen. Ich organisierte Karten für ein Konzert und kann resümierend sagen: Einer von uns fand das Konzert gut. Natürlich nahm ich auch den Plan „Schatz, dies Jahr schenken wir uns nichts!“ mit und stand mit leeren Händen wie ein zugedröhntes Pokemon vor ihr. Wir fuhren für einen Tag ans Meer. Ziemlich blöde Idee im Februar, bei – 5 °C und strömendem Regen. Ich besorgte eine ganz besonders tolle Pralinenmischung. Schwierig von der Verhältnismäßigkeit, wenn man bedenkt, dass Mechmet aus der Klasse 5f für sein Zeugnis eine neue Playstation bekommt. Auch dies Jahr habe ich große Pläne geschmiedet, meiner Frau zu zeigen, wie einmalig toll sie für mich ist. Etwas Einzigartiges sollte es auch in diesem Jahr sein. Kein non-sense Geschenk wie alle anderen besorgen.
Danke fürs Lesen und auf bald. Ich muss los zu ALDI, sonst sind nachher wieder alle Blumen weg!

Euer Feuerlescher
Gewidmet sind die paar plumpen Zeilen meiner einzigartigen Frau, der kein Geschenk der Welt gerecht wird.


24
Dez

Warum bin ich hier?

Frohe Weihnachten Ihr Lichtblicke und Lieblingswesen,
die regelmäßig meinen Feuerlescher lesen.
Was wird vom Jahr 2016 in Erinnerung bleiben?
Was werden die Historiker in die Geschichtsbücher schreiben?
Denn irgendwann wird unser kleiner Pepe vor mir stehen,
und fragen: Was ist eigentlich in meinem Geburtsjahr geschehen?
Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt,
der IS hat zahlreiche Menschen gequält.
Deutschland ist nicht Europameister geworden,
Bob Dylan bekam in Abwesenheit den Nobelpreisorden.
Das Militär startete einen Putschversuch in der Türkei,
jetzt ist der Staat auf dem Weg zur diktatorischen Tyrannei.
Zahlreiche Anschläge hielten uns in Deutschland in Atem,
und spielten der rechtspopulistischen AFD in die Karten.
Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland wurde nicht beigelegt,
ein großes Unwetter ist im Juni über Deutschland hinweggefegt.
Empört wird Pepe sein und mich fragen:
Wie konnte Mama mich in so einer Welt austragen?

Doch zum Glück gibt es gute Menschen in meinem Leben,
und ich werde Pepe folgende Antwort geben:
Pepe, zwischen all diesen globalen Irrwegen,
sah ich, was Menschen im Kleinen miteinander bewegen.
Und genau deswegen wünsche ich nicht nur meinem Kind,
Viele Freunde die aus gutem Holz geschnitten sind.
Dann kann das Leben gücklich werden,
trotz vieler Gräultaten auf Erden.

Alles Gute und ein Weihnachten wie es euch gefällt.
Ich hoffe, dass Christkind hat für euch die passenden Geschenke gewählt.


17
Okt

Ein Verbrechen wird bekannter als 1000 gute Taten!

Irgendwann wird unser kleiner Pepe vor mir stehen und fragen: „Papa, was war eigentlich nach meiner Geburt los?“ Schon jetzt bricht mir der Schweiß aus.

Ich könnte ihm global antworten: „Während deiner Geburt stritten sich in der Türkei das Militär und Recep Erdogan um die Staatsführung. In Amerika kämpfte jemand um die Macht, der sich im Video damit rühmte, Frauen sexuell belästigen zu können. Argumentativ stark erklärte seine Widersacherin, dass so jemand nicht Präsident werden dürfte, ohne jedoch Gründe für ihre Wahl anzuführen. In Syrien führen Baschar al-Assad und der Islamische Staat Krieg, um eine Region zwischen Euphrat und Tigris. Zusammenfassend kann man sicher sagen: An vielen Stellen der Welt fiel die Entscheidung zwischen Pest und Cholera!“ Vermutlich würde der kleine Pepe dann fragen: „Papa, warum habt ihr mich in so eine Welt gesetzt?“

Ich könnte ihm auch national antworten: „Eine rechtspopulistische Partei zog entsprechen des nationalen Trends ins Berliner Abgeordnetenhaus und den Landtag von „MecPom“ ein, dabei hätte man vermuten können, dass durch die Deutsche Geschichte gerade in Berlin „gesicherte Grenzen“* aus der Mode sind. Es wurden grausame Anschläge mit Schusswaffen und einer Axt in Deutschland verübt, ohne dass auch nur ein Nutzen erkennbar ist. Weitere Anschläge wurden verhindert, wobei alleine die Pläne für Angst in der Gesellschaft sorgten.“ Vermutlich würde der kleine Pepe auch dann fragen: „Papa, warum habt ihr mich in so eine Welt gesetzt?“

In der Hoffnung, diese Frage zu umgehen, werde ich wohl antworten: „Du zaubertest vielen Menschen ein Lächeln auf das Gesicht, und hast damit durchaus mehr dazu beigetragen, dass die Welt besser wird als viele mächtige, gutbezahlte und selbstverliebte Entscheidungsträger!“

 

*eine Forderung der Partei auf ihren Wahlkampfplakaten


17
Sep

Es könnt‘ alles so einfach sein!

Ihnen mangelt es an flüchtigen sozialen Kontakten? Sie bekommen gerne und ungefragt Ratschläge von Unbekannten? Ihre Privatsphäre spielt für Sie keine Rolle? Indiskrete Frage auf offener Straßen kommen Ihnen gelegen? Ihr Neugeborenes darf gerne ein Praktikum als Pony im Streichelzoo machen?

Gehen Sie einfach mit ihrem Neugeborenen in die Öffentlichkeit. Ungefragt werden gänzlich Unbekannte in Ihren Kinderwagen langen. Sind die Arme oder der Kopf nicht bedeckt, streicheln wildfremde Menschen unseren Sohn. Meine Frau und ich haben bereits Desinfektionsmittelspender am Kinderwagen angebracht. Danach folgt die Standardfrage: „Und, schläft er schon durch?“ – Ja, klar! Direkt nachdem wir aus dem Krankenhaus kamen, hat der Kleine sein Zimmer aufgeräumt, geht pünktlich zu Bett, schläft durch und macht morgens Frühstück. „Unser hat ja direkt durchgeschlafen!“ – Ja, würde unser auch, wenn ich nur den Fernseher laut genug drehe oder das Kinderbett weit weg von meinem Schlafzimmer platziere. Als wir mit unserem Kleinen das erste Mal unterwegs waren, wurden wir von Fremden auf dem Marktplatz angesprochen: „Und, war die Geburt gut?“ – Sicher, meine Frau hat ca. 6 Stunden vor Schmerzen geschrien, konnte mehrere Tage kaum laufen und hat mehr Blut verloren als ich im Jahr spenden darf, aber die Geburt war super. Dann geht es direkt weiter. „Oh, er hat Probleme mit der Verdauung?“ – Ein skeptischer Blick geht in Richtung meiner Frau mit dem Hinweis: „Wenn sie stillen, dann ernähren sie sich falsch!“
Gerade die erfahrene Bevölkerung hat auch Tipps parat: „Ein Kind muss man auch mal schreien lassen!“ – Klar, aber wehe dem, du wirst im Restaurant nicht sofort bedient oder musst beim Aldi an der Kasse anstehen.
„Und, arbeitest du schon wieder?“ Natürlich arbeitet meine Frau schon wieder, weil ihre eigene Regeneration nach dem Vorankommen der Volkswirtschaft steht und vor allem, weil wir ein Kind bekommen haben, was wir am besten den ganzen Tag nicht sehen wollen.

Ehrlich, ohne diese ganzen Tipps, würde es unserem Kleinen lange nicht so gut gehen, schließlich lassen wir ihn jetzt immer schreien, meine Frau hat die Freude am Essen verloren, findet über Stunden anhaltende Schmerzen gut und generell ist es uns wichtig, dass am besten jeder Passant einmal seine Pfoten in den Kinderwagen steckt, damit unser Kind bloß nicht an uns klammert und Antikörper gegen jeden Keim aufbauen kann.

Gewidmet ist der Text meiner lieben Frau, die sich nun seit genau zwei Monaten liebevoll und aufopfernd um unseren kleinen Pepe und mich kümmert. Wir lieben dich!


17
Aug

Popel in der Nase

Gewidmet ist der Text unserem kleinen Sohn Pepe Jakob, der vor genau einem Monat das Licht der Welt erblickte.

Es fing bestimmt schon früher an, aber in meinen Erinnerungen wurde ich erstmals im Kindergarten getestet: „Kann der Junge zählen, auf einem Bein stehen, Fäden gerade nebeneinander kleben und ganze Sätze sprechen?“ Ich konnte und durfte zur Schule gehen. Seitdem musste ich beinahe täglich mein Können nachweisen: Ich wollte zum Gymnasium, also überprüfte meine Lehrerin, ob ich es draufhabe. Mit 14 wollte ich bei einem Partyservice arbeiten, vorher musste ich ein Hygieneseminar besuchen. Später wollte ich eine Fußballmannschaft betreuen, dafür brauchte ich ein amtliches Führungszeugnis. Dann sollte ich Training geben. Das ging natürlich nicht ohne einen Trainerschein. Kein Autofahren ohne Führerschein, keine Bootstour ohne Segelschein. Um überhaupt eine Chance auf einen Studienplatz zu haben, brauchte ich das Abitur. Im Studium waren Laborpraktika gefordert. Ohne gute Klausuren hätte ich keinen Laborplatz bekommen. Um in den Masterstudiengang zu gelangen, war der Bachelor notwendig. Ohne Studienabschluss keine Chance aufs Referendariat, ohne gutes Examen keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ohne Gehaltsnachweis keinen Kredit für Auto oder Haus. …

Es gilt also in unserer Welt: Ohne Nachweis, Zeugnis oder Zertifikat geht bei uns nichts. In meinem Leben ist alles verboten, es sei denn ich habe einen Schein, ein Zeugnis oder ein Examen dafür.

Wenn man drüber nachdenkt, ist das auch gut so! Wie würde es sonst auf Deutschlands Straßen zugehen? Welchen Ruf hätten deutsche Produkte, wenn in deutschen Betrieben ohne ausgebildete Arbeitskräfte gewerkelt würde? Wie genießbar wäre das Essen ohne Gesundheitsamt? Wie heilsam ein Krankenhaus ohne studierte Mediziner? Überall und für jeden Bereich haben wir Spezialisten. Jeder Handgriff darf nur von examinierten Fachkräften durchgeführt werden. Je wichtiger ein Arbeitsbereich ist, desto länger, teurer und aufwendiger ist die Ausbildung. Und jetzt stehe ich hier, unsere Zukunft liegt vor mir und ich weiß nicht, wie ich den Popel aus der Nase meines kleinen Sohnes, Pepe, bekomme.

PS: In Deutschland ist es nämlich doch möglich, etwas ohne Studium, Ausbildung, Zertifikat oder Examen zu werden: Eltern und Bundestagsabgeordneter.


9
Aug

Sommerferien!

Lange ist es her, dass hier ein Eintrag erschien. Doch nun ist es mal wieder an der Zeit. Gewidmet ist der Eintrag einem sehr guten Freund – ebenfalls Lehrer – der heute seinen letzten Zwanzigergeburtstag feiert: Alles Gute, Dirk!

Eigentlich die entspannteste Zeit des Jahres. Eigentlich! Denn nicht die alltägliche Hetze der übrigen Bevölkerung „Morgens recht und Nachmittags frei!“ oder “Drei Monate Ferien und einen Halbtagsjob bei voller Bezahlung!“ machen mir zu schaffen, sondern die Unterrichtsvorbereitung. „Lächerlich“ werdet ihr skandieren. Doch begleitet mich auf folgendem Gedankenspiel: Ihr sollt eine Branche vorstellen und die Leute zur Partizipation eben dort anregen.

Ich fülle das mal mit etwas Leben und einem Beispiel

Es gibt ein Unternehmen in der Branche, in dem eine Führungskraft Abitur und Studienabschluss vortäuschte, um in den Vorstand zu kommen. Nach Bekanntwerden der fehlenden Abschlüsse, wird sie jedoch nicht gefeuert, sondern erhält weiterhin ihre Bezüge und Rentenansprüche sowie ihren Vorstandsposten.
Merke: „Es ist nicht wichtig, ehrlich zu sein, Hauptsache die Karriere geht voran!“ Außerdem werde ich bei meiner Präsentation natürlich die Loyalität des Unternehmens positiv hervorheben. Schaufle mir motivational jedoch mein eigenes Grab, weil das Beispiel zeigt, dass Abschlüsse nicht notwendig sind, um eine gute Position mit hoher Bezahlung bei vollkommener Ahnungslosigkeit zu bekommen.

In der gleichen Branche gibt es ein Unternehmen, welches gerade einen neuen Chef sucht. Es gibt mittlerweile nur noch zwei Bewerber, die sich gegen die übrigen durchgesetzt haben und dass, obwohl einer von Ihnen weinende Kinder des Raums verweist, nicht begriffen hat, dass eine Mauer als Staatsgrenze untauglich ist, Belgien als Stadt in Europa bezeichnet und keinen Wert auf kooperierende Unternehmen legt. Trotz dieser und vieler weiterer verbalen Entgleisungen könnte er bald an der Spitze eines mächtigen Konzerns stehen. Vollkommen zurecht werden meine Zuhörer sagen: „Wenn der Chef keine Ahnung hat, wieso sollte sich dann das gemeine Fußvolk um Bildung kümmern?“

Die Branche hat ein weiteres Unternehmen, welches seine Mitarbeiter unter widrigen Bedingungen arbeiten lässt und unbedingt einer Unternehmensgruppe beitreten möchte, jedoch deren grundlegendsten Errungenschaften mit Füßen tritt. Dennoch werden die Geschäftsbeziehungen von der Unternehmensgruppe nicht abgebrochen, weil das eine Unternehmen ein wichtiges Produkt bereithält. Merke: „Es ist nicht wichtig, dass du dich an Regeln hältst oder dich benimmst, wenn du das gewünschte Produkt lieferst und die Kohle stimmt!“

Wenn man diese drei ausgewählten Beispiele in den Kampf an der Bildungsfront in den Politikunterricht führt und an Wahlbeteiligung, Politikverdrossenheit sowie politische Glaubwürdigkeit denkt, dann ist Unterrichtsvorbereitung nicht so einfach wie ein Länderspiel gegen Gibraltar und die Sommerferien nicht das Garteneden.


2
Okt

Früher war alles besser

Nach einer etwas ausgedehnten Sommerpause nun mal wieder ein kurzer Text zu den Veränderungen im deutschen Bildungssystem. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch die Zeit nehmt:

Früher gab es den einen Family-Farmer, der mit seiner Familie Kühe, Schweine, Hühner, Pferde und Hunde hielt. Er baute Mais, Weizen, Roggen, Gurken, Kartoffeln, Tomaten und Paprika an. Heute hat sich ein Landwirt z. B. auf Roggen spezialisiert, kennt sich exzellent im Anbau sowie der Vermarktung aus und hat Zugriff auf ein Netzwerk von weiteren Roggenbauern. Er versorgt im Durchschnitt 135 Menschen mit Nahrungsmittel.

Früher gab es den  einen Arzt, der alle Krankheiten behandelte. Er schiente Beine, senkte Fieber, behandelte Rückenleiden und therapierte Magen-Darm-Beschwerden. Heute ist ein Arzt hochspezialisiert. Der Gastroenterologe verfügt z. B. über umfangreiche Kompetenzen der Prävention, Diagnostik sowie Therapie von Magen-Darm-Beschwerden und kann so deutlich effizienter seinen Patienten helfen.

Früher gab es das eine große Kaufhaus, welches alle Wünsche erfüllte. Im Sortiment gab es neben Textilien Bücher, Schmuck, Spielwaren, Elektronikartikel, Haushaltsartikel und Schuhe. Heute gibt es fast nur noch Marken-Shops, die lediglich die Textilien eines Herstellers anbieten. Dafür sind alle Artikel der einen Marke sofort in jeder Farbe und Größe verfügbar.

Früher gab es die eine Autowerkstatt, die sämtliche Autos aller Hersteller aufbockte  und reparierte. Heute gibt es Lizenzwerkwerkstätten, die sich auf die Fabrikate eines Herstellers spezialisiert haben. Sie verfügen über die speziellen Werkzeuge zur Fahrzeugreparatur einer Automarke und haben exklusiven Zugriff auf die Diagnosesoftware dieses Herstellers, um schneller und effektiver den Schaden beheben zu können.

Früher gab es hochspezialisierte Lehrer die sich nach einer langen Ausbildung und viel Berufserfahrung für ihre tägliche Arbeit an den Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen und Förderschulen spezialisiert haben. Teilweise waren sie sogar Experten in nur zwei Fächern. Heute gibt es den einen…

PS: Gewidmet ist dieser Text einem befreundeten Lehrer-Pärchen mit den besten Wünschen zur Verlobung am Vorabend des Tages der deutschen Einheit!


15
Feb

Wo ist all die Liebe hin?

„Zeigen Sie Ihrer Partnerin, wie sehr Sie sie lieben?“ – An den übrigen 364 Tagen im Jahr kann ich mich also entspannt zurücklehnen? Ein anderer Werbeslogan zum Valentinstag lautet: „Zeigen Sie Ihrer Partnerin, wie einzigartig sie ist!“ – Das soll ich mit einem Produkt machen, was in x-facher Ausführung im Regal steht?
Warum brauchen wir überhaupt einen Tag, um unsere Liebe zu zeigen und wo ist die Liebe an den übrigen Tagen hin? Der Volksmund sagt: „Ein Kind ist sichtbar gewordene Liebe!“ Drehen wir diese Aussage um, dann stellen wir fest, dass es mit 1,41 Kindern pro Frau (2014) sehr schlecht um die Liebe in Deutschland bestellt ist. Also, wo ist die Liebe hin? Wir benötigen 2,1 Kinder pro Frau, um unsere Einwohnerzahl zu halten. Bedenkt man nun, dass die Bevölkerungszahlen in Deutschland in den letzten Jahrhunderten konstant angestiegen sind und erst im letzten Jahrzehnt sinken, dann wird noch deutlicher, dass hier Liebe abhanden gekommen ist. So wird jede dritte Ehe in Deutschland noch vor der Silberhochzeit geschieden (2013). Daher frage ich:

Wo ist all die Liebe hin?

Hat sie sich verirrt im Lebenslabyrinth, sozusagen „verliebt“? Eine mögliche Erklärung ist, dass wir unsere Liebe auf andere Dinge übertragen. Die Deutschen lassen jährlich 3,5 Mrd. Euro (2009) für ihre Haustiere springen. Außerdem ist es schwierig, zwischen Lieblingsfilmen, Lieblingsblumen, Lieblingsstars und Lieblingsgerichten auch noch den Lieblingspartner zu finden. Der müsste schließlich die gleichen Lieblingsfilme, -blumen,-stars und –gerichte dauerhaft nachweisen. Erhöht wird der Schwierigkeitsgrad dadurch, dass unser Lieblingsfilm mit jedem Kinotag und damit auch unser Lieblingsstar wechselt, unser Lieblingsessen sich mit der Tagesform ändert und unsere Lieblingslieder sowieso stimmungsabhängig sind. Fakt ist aber auch, dass mit gestiegen Lebenserwartung mehr Zeit zum Lieben bliebt. Damit sollte doch auch der Lieblingspartner Platz zwischen allen anderen Lieblingsdingen finden. Dennoch hält die Ehe nur selten bis zur Beerdigung, sondern endet meistens mit der Selbstverwirklichung (Durchschnittlich nach 14 Jahren und 6 Monaten). Nur die wenigstens scheinen noch bereit, auf einen Abend bei ihrem Lieblingsitaliener, mit ihrer Lieblingspizza sowie ihrem Lieblingswein und ihrem Lieblingskeller aus Liebe zum Lieblingspartner zu verzichten.
Klar ist, dass es in unserer Welt in jeder Situation die “Qual der Wahl“ gibt und die meisten Entscheidungen viel Liebe bedürfen. Ist es da nicht einfacher, wenn ihr den größten Teil eurer Liebe, eurem Lieblingspartner schenkt, dann ist nicht mehr so viel Liebe für die anstehenden Entscheidungen übrig und vor allem: Ihr könnt nicht mit so viel Liebe die Kaufentscheidung für das Valentinstagsgeschenk fällen und guten Gewissens das angepriesenen, einzigartige Produkte aus der Verbraucherinformation erstehen.

In diesem Sinne,
euer Feuerlescher


18
Jan

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt ihr!

In dieser Woche twitterte eine Schülerin: „Ich habe gute Noten, aber vom Leben null Ahnung. (…) Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Nicht nur als Lehrer habe ich größten Respekt vor jedem, der vier Sprachen beherrscht. Der Erwerb von Fremdsprachen ist begleitet von Informationen über die Regionen, in denen diese Sprachen gesprochen werden, so dass neben der reibungsfreien internationalen Kommunikation auch Toleranz und Respekt gegenüber anderen Kulturen den Lernenden ermöglicht werden. Die Kenntnisse über Stilmittel in Gedichten ermöglichen uns, das realitätsnahe Verständnis von Wohnungsanzeigen oder Beurteilungen: Nur so erkennen wir, dass „er hat sich stets bemüht“ so viel bedeutet, wie „er hat viel probiert und nichts geschafft“. Es hilft uns zu wissen, dass eine mit „gutem Verkehrsanschluss“ inserierte Wohnung direkt an der Autobahn liegt oder man diese zumindest aus dem Schlafzimmer nicht überhören kann. Desweiteren frage ich mich: Was hilft es, jungen Menschen zu erklären, welche Versicherungen sie benötigen, wenn sich die Versicherungen jährlich ändern. Abgesehen davon kenne ich bis heute niemanden, der sämtliche Versicherungen gesichtet hat, um objektiv und wohlwollend zu beraten. Sollte nun auch noch das Steuerrecht Einzug in die deutschen Schulen erhalten, dann gibt es einen neuen Anwärter auf den Spitzenreiter im Ranking der unbeliebtesten Unterrichtsfächer. Aber auch in diesem Fall muss kein Steuerberater um seine Existenz fürchten, denn wie viele von uns können fünf Jahre nach dem Schulabschluss noch Integrieren oder Ableiten. Die Schule hat uns gezeigt, dass wir solche komplexen Phänomene verstehen können. Da sollten wir uns Steuern, Mieten und Versicherungen auch erschließen können. Doch wer will schon etwas von Steuern hören, solange das Taschengeld steuerfrei ist? Wer möchte schon etwas von Miete hören, solange Mutti morgens das Bett macht? Wer möchte schon etwas über Versicherungen hören, wo doch Vati alles regelt? Wer aber in der Schule gelernt hat, dass er die antiquiertesten, uninteressantesten und schwierigsten Aufgaben in den Abschlussklausuren lösen kann, der sollte auch das Selbstbewusstsein haben, sich die aufkommenden Steuer-, Miet- oder Versicherungsfragen beantworten zu können.

In diesem Sinne,

euer Feuerlescher


22
Dez

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

Das Sprichwort scheint an Aktualität nicht zu verlieren. Es gibt in heutiger Zeit Menschen, die keine Fahrerlaubnis haben, jedoch für Autos und damit das Autofahren werben. Es gibt Menschen mit der Idee „Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen!“. Doch zahlreiche Wähler dieser Menschen vertreten die Haltung „Kinna dad i scho, oba meng dua i ned!*“, wenn sie nach Hochdeutsch gefragt werden. Ferner gibt es Menschen, die „keine Toleranz gegenüber straffälligen Asylbewerbern fordern“, aber selber von der Toleranz des Strafsystems profitierten. Kopfschütteln verursacht bei mir die Forderung nach einem Asylrecht ähnlich dem in Kanada oder der Schweiz, wo lediglich gesuchten Fachkräften der Weg ins Land geebnet wird. Gerade dann wenn Menschen ihre Stimme erheben, die selber schon einmal abgeschoben wurden. Ich lese von der heroischen „Verteidigung des Abendlandes“ und frage mich, wer das Morgenland vor der westlich-kapitalistischen Kommerzialisierung verteidigt. All die Wolkenkratzer, Hotels, Fastfoodketten und Autostraßen verschaffen den traditionell-orientalischen Städten Skylines, die so einmalig sind, wie ein Schwein im Mastbetrieb.
Das alles soll nicht heißen „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“ oder „Haltet euch raus!“, sondern: Passt auf und fragt nach, gerade dann, wenn mal wieder mit zweierlei Maß gemessen wird.

In diesem Sinne wünsche ich euch frohe Weihnachten und einen guten Jahreswechsel,
euer Stefan